CO2-Grenzwert

EU setzt Vorgaben für Pkw

Ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw. Der VCD setzt sich für eine weitere Minderung der CO2-Grenzwerte und für realitätsnahe Verbrauchsangaben der Hersteller ein.

Aktivisten mit Banner "Klimawandel bremsen - CO2 Grenzwert jetzt!"
Quelle: VCD/Kupser

Die EU-Mitgliedsstatten haben Ende November 2013 den zwischen Rat und Europaparlament erzielten Kompromiss über die CO2-Grenzwerte für Pkw ab 2020 bestätigt. Damit ist der Weg frei für weitere Verbrauchsminderungen bei neuen Pkw. Ein erneuter Verhandlungsprozess wurde notwendig, nachdem Deutschland den bereits im Juni 2013 erzielten Kompromiss torpediert hatte, um Aufweichungen zugunsten von BMW und Daimler durchzusetzen.

Konkret haben die Hersteller nun ein Jahr mehr Zeit, um den Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer einzuhalten. Bis 2020 müssen zunächst nur 95 Prozent der Neuwagen diesen Wert einhalten, erst ab 2021 gilt er dann für die gesamte Flotte.

Ein CO2-Austoß von 95 Gramm entspricht einem Verbrauch von 4,1 Litern Benzin bzw. 3,6 Litern Diesel pro 100 km. Zusätzlich erhalten Hersteller mehr Flexibilität bei den »Supercredits«, der Mehrfachanrechnung von Elektrofahrzeugen. Statt der ursprünglichen Begrenzung von 2,5 Gramm CO2 pro Jahr, können Sie zwischen 2020 und 2022 bis zu 7,5 Gramm CO2 ohne jährliche Grenze anrechnen lassen. Fahrzeuge, die weniger als 50 g CO2/km emittieren, können wie folgt auf die CO2-Bilanz angerechnet werden:

  • Ab 2020 als zwei Fahrzeuge
  • Ab 2021 als 1,67 Fahrzeuge
  • Ab 2022 als 1,33 Fahrzeuge
  • Ab 2023 als ein Fahrzeug

Begründet wurden die »Supercredits« als Innovationsanreiz, um mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen. Tatsächlich erleichtern sie Herstellern den Verkauf spritschluckender Autos mit hohem CO2-Ausstoß. Vor allem BMW und Daimler profitieren von dieser Regelung. Sie haben dadurch Zeit gewonnen.

Der VCD kritisiert das Ergebnis als zu lasch, begrüßt aber, dass endlich eine Einigung über die Fortschreibung der CO2-Minderung bei Neuwagen erzielt wurde. Letztlich war unter den gegeben Umständen kein besseres Ergebnis machbar. Im Vergleich zum ursprünglichen Kompromiss wurden die Vorgaben zwar aufgeweicht. Die EU-Akteure waren jedoch weitsichtig genug, die Forderungen Deutschlands, beispielsweise nach einem mehrjährigen Phase-In, abzublocken. Nun hat die Industrie Planungssicherheit und die Verbraucher können mit sparsameren Autos rechnen.

Realitätsnähere Herstellerangaben und Fortschreibung der CO2-Grenzwerte

Nachdem die Weichen bis 2020 gestellt sind, geht es nun um die Fortschreibung der CO2-Minderung. Spätestens 2025 muss ein Folgegrenzwert festgesetzt werden, damit technologische Innovationen in den Markt kommen und die CO2-Emissionen von Pkw weiter sinken. Nicht zuletzt die Klimaziele der EU für 2030 machen diesen Schritt notwendig.

Zuvor steht die Einführung eines neuen Testverfahrens zur Ermittlung der CO2-Emissionen und des Kraftstoffverbrauchs im Fokus. Ab 2017 soll die sogenannte weltweit harmoniserte Testprozedur WLTP das bisherige Verfahren, das auf dem NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzykus NEFZ) beruht, ablösen. Der NEFZ ist wenig realitätsnah und bietet Fahrzeugherstellern zahlreiche Schlupflöcher, die Werte für Kraftstoffverbrauch und CO2-Austoß in ihrem Sinne zu schönen. So liegt der tatsächliche Verbrauch auf der Staße laut Analysen des ICCT inzwischen im Schnitt um 38 % über den offiziellen Herstelllerangaben. Der WLTP ist ein wichtiger Schritt für ehrlichere Verbrauchswerte und CO2-Angaben.

Die Autoindustrie versucht allerdings, die Einführung des WLTP zu verschieben. Dann könnte sie länger die Schlupflöcher des NEFZ ausnutzen. Hierbei könnte sie erneut von der Bundesregierung Schützenhilfe erhalten. In einer Übergangsphase sollen die nach dem neuen WLTP-Verfahren ermittelten CO2-Werte in das alte NEFZ-Verfahren zurückgerechnet werden, da der CO2-Grenzwert für 2020/21 noch auf dem NEFZ basiert. Aktuell geht es um die Frage, welche Praktiken des alten Testverfahrens bei der Umrechnung berücksichtig werden sollen.

Statt sich für einen ambitionierten Klimaschutz einzusetzen, sollen laut Position der Bundesregeriung fragwürdige Praktiken des alten, realitätsfernen Testverfahrens NEFZ bei der Umrechnung legitimiert werden, so dass Autohersteller weiterhin Verbrauchswerte schönrechnen könnten. Dies hätte zur Folge, dass der CO2-Grenzwert für 2020/21 erheblich abgeschwächt würde. Der VCD und weitere Umweltverbände potestieren dagegen in einem offenen Brief an die Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, deren Ressort beim Thema CO2-Grenzwerte federführend ist. Der offene Brief, die Position Deutschlands sowie ein Hintergrundpapier finden Sie unter »Downloads und Links«.

 

 

Michael Müller-Görnert

Referent für Verkehrspolitik
Fon 030/28 03 51-19
michael.mueller-goernert@vcd.org

Michael Müller-Görnert

Gerd Lottsiepen

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-11
gerd.lottsiepen@vcd.org

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