CO2-Grenzwert

EU setzt Vorgaben für Pkw

Kurz vor Weihnachten haben sich die EU-Akteure auf neue CO2-Grenzwerte für Pkw für die Zeit nach 2020 verständigt. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen um 37,5 Prozent gegenüber 2021 sinken. Ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw.

Aktivisten mit Banner "Klimawandel bremsen - CO2 Grenzwert jetzt!"
Quelle: VCD/Kupser

Bis 2021 dürfen alle neu zugelassenen Pkw in der EU im Schnitt maximal 95g CO2/km ausstoßen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin. Nun wurden die Vorgaben für die Weiterführung der CO2-Grenzwertregelung bis 2030 beschlossen. Konkret beinhaltet der Beschluss folgende Elemente:

  • der CO2-Ausstoß von Neuwagen soll bis 2025 um 15 %, bis 2030 um 37,5 % verringert werden,
  • ein Anreizmechanismus soll den Absatz von emissionsfreien/-armen Fahrzeugen (i.d.R. Elektroautos) ankurbeln: verkaufen Hersteller in 2025 mehr als 15 %, in 2030 mehr als 35 % solcher Fahrzeuge, werden im Gegenzug ihre CO2-Vorgaben abgeschwächt,
  • die tatsächlichen CO2-Emissionen sollen im Rahmen der Marktüberwachung mittels Verbrauchsmessgeräten in den Fahrzeugen erfasst und jährlich für jeden Hersteller veröffentlicht werden.

Der VCD begrüßt die Einigung in Brüssel. Zum ersten Mal wurde ein Vorschlag der EU-Kommission geschärft statt aufgeweicht. So hatte die Komission ursprünglich vorgeschlagen, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2030 um 30 Prozent zu veringern. Großen Anteil daran hatte das Europaparlament, das mit einer Forderung von minus 40 Prozent in die Verhandlungen gegangen sind. Dennoch wären noch ambitioniertere CO2-Vorgaben nötig und möglich gewesen, um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen und entscheidende Impulse für die notwendige Transformation in Richtung emissionsfreie Antriebe zu setzen. Dies hat Auswirkungen auch auf die nationalen Klimaziele.

Die Bundesregierung hat Ende 2016 mit ihrem Klimaschutzplan 2050 erstmals das Ziel formuliert, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Pkw-Verkehr ist für mehr als 60 Prozent der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ambitionierte CO2-Grenzwerte liefern einen zentralen Beitrag zur Emissionsreduktion. Um so lascher die Vorgaben ausfallen, desto mehr müssen andere weitergehende Maßnahmen im Verkehr ergriffen werden.

Realitätsnähere Herstellerangaben notwendig

Nicht nur bei den Schadstoffen, auch bei Verbrauch und CO2-Ausstoß gibt es eine erhebliche Diskrepanz zwischen offiziellen Herstellerangaben und der Realität. So liegt der tatsächliche Verbrauch auf der Straße laut aktueller Analyse des ICCT für Neufahrzeuge des Jahres 2016 inzwischen im Schnitt um 42 Prozent über den offiziellen Herstellerangaben. Dies hat zur Folge, dass die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen zwar auf dem Papier deutlich sinken, sie aber tatsächlich in den letzten fünf Jahren vielmehr stagniert sind. Auch wenn seit September 2017 ein realitätsnäheres Messverfahren, der sogenannte WLTP gilt, sind künftig Abweichungen zwischen Herstellerangaben und Realität nicht auszuschließen. Denn auch der WLTP beruht nach wie vor auf einem Rollenprüfstandstest.

Aus diesem Grund fordern der VCD und weitere Umweltverbände bereits seit langem, Realmessungen auf der Straße auch für den CO2-Ausstoß einzuführen. Dies erhöht auch die Transparenz für Verbraucher und bietet eine bessere Entscheidungsgrundlage. Folgerichtig sollten die realen CO2-Emissionen künftig als Basis der CO2-Gesetzgebung dienen. Die jetzt beschlossene Lösung, den tatsächlichen Verbrauch erst im Nachinein zu erfassen und lediglich zu dokumentieren, ist lediglich ein erster Schritt. Die Europaparlamentarier konnten sich aber mit ihrer Forderung durchsetzen, dass die EU-Kommission ein Verfahren entwickelt, mit denen die Emissionen auf der Straße gemessen werden können. Allerdings soll dies erst 2030 in Kraft treten.

Die Kritik am ursprünglichen Kommissionsvorschlag, wie die Weiterentwicklung der CO2-Gesetzgebung im Detail aussehen müsste und welche Forderungen an die Politik sich daraus ergeben, können Sie dem gemeinsamen Positionspapier von VCD, BUND, DUH und NABU "Klimaschutz braucht ambitionierte Verbrauchsgrenzwerte" entnehmen, dass Sie unter »Downloads und Links« finden.

Michael Müller-Görnert

Referent für Verkehrspolitik
Fon 030/28 03 51-19
michael.mueller-goernert@vcd.org

Gerd Lottsiepen

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-11
gerd.lottsiepen@vcd.org

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