Nachtzüge

Eingeschränktes Angebot

Am 16. Dezember 2015 tagte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG. Zu erwarten war, dass in dieser Sitzung ein gewaltiges Sparpaket beschlossen würde. Unter anderem wurde der Beschluss getätigt, den Nachtzugverkehr endgültig einzustellen. Mit einem offenen Brief appellierte und appelliert der ökologische Verkehrsclub VCD an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass das gut nachgefragte Angebot auf der Schiene erhalten bleibt. 

Nachtzug
Quelle: DB AG/Hansjoerg-Egger

VCD-Forderungen zum Nachtzugverkehr der Deutschen Bahn AG

  • Die Deutsche Bahn AG muss das Angebot im Nachtzugverkehr als wichtigen Bestandteil des Fernverkehrs auf der Schiene aufrechterhalten.
  • Der VCD fordert die Politik auf, die DB AG bei ihrem Einsatz für kostengünstige und verlässliche Zugangsmöglichkeiten zum französischen, belgischen und dänischen Eisenbahnnetz für Nachtzüge zu unterstützen.
  • Kurzfristig sind von der DB AG erhebliche Investitionen in die Instandhaltung der Nachtzugwagen freizugeben, um das Angebot nicht kurzfristig »ausbluten« zu lassen.
  • Der Service im Zug (z.B. zumindest ein Barwagen), die vollständige Zuglänge und die Funktion der Einrichtungen für dieses hochpreisige Angebot sind zu gewährleisten.

VCD zum mittelfristigen Nachtzugangebot in Europa

  • Das Nachtzugangebot in Deutschland und Europa darf nicht weiter ausgedünnt werden, im Gegenteil. Notwendig ist der Ausbau eines europaweiten Nachtzugnetzes als Alternative zu den Billigfliegern. Speziell auf mittleren Distanzen im grenzüberschreitenden Verkehr können Fahrten vom Flugzeug auf die Schiene verlagert werden. Die in Nachtzügen mögliche Fahrradmitnahme ist ein weiteres Argument für den Erhalt und den Ausbau dieses Angebotes auf der Schiene.
  • Der Nachtzugverkehr sollte in Europa länderübergreifend organisiert werden. Die beteiligten Staaten müssen gegenseitig gewährleisten, dass Zugangsbarrieren abgebaut werden, so wie es auf europäischer Ebene in den Eisenbahnpaketen bereits beschlossen wurde.
  • Zukünftigen Nachtzugbetreibern muss langfristige Planungssicherheit speziell bezüglich der Trassenpreise gegeben werden, damit sich Investitionen, insbesondere in das Zugmaterial, für sie lohnen.
  • Für den Nachtzugverkehr müssen günstige Infrastrukturentgelte gewährleistet werden, das betrifft insbesondere die Trassenpreise.
  • Nachtzugrelevante Zeitfenster (Slots) an wichtigen Start- und Endpunkten des Nachtzugverkehrs sind langfristig sicherzustellen.
  • Günstige Infrastrukturentgelte und sichere Zeitfenster bekommen nur die Unternehmen, die sich im Gegenzug verpflichten, ein Mindestmaß an Fahrtenangeboten, Qualität und Kapazitäten bereit zu stellen.
  • Für ein europäisches Hochgeschwindigkeits-Nachtzugnetz zur Überbrückung von bis zu 2.000 km im Nachtsprung ist zu prüfen, ob Nachtzüge die Hochgeschwindigkeitsstrecken befahren können.

Philipp Kosok

Referent für Verkehrspolitik, Bahn/Öffentlicher Verkehr; Projektleitung »Multimodal unterwegs«
beim VCD
Fon 030/28 03 51-36
philipp.kosok@vcd.org