Nachtzüge

Übernahme durch die ÖBB

Im Dezember 2016 stellt die Deutsche Bahn AG (DB) ihren Nachtzugverkehr ein – und das bei einem Angebot, das laut DB-Vorstand Berthold Huber seit 2015 einen Fahrgastzuwachs von 30% aufweist! Die Österreichischen Bundesbahnen übernehmen zwei wichtige Verbindungen. Die DB speist ihre Kunden mit weniger komfortablen Nacht-IC und -ICE ab.

Nachtzug
Quelle: DB AG/Hansjoerg-Egger

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) übernehmen zukünftig die Verbindungen Hamburg – München – Innsbruck mit Autobeförderung und Hamburg – Berlin – Basel – Zürich. Ergänzend übernimmt das Unternehmen BTE die Nacht- und Autozüge Hamburg – Lörrach sowie Euro-Express bietet die Verbindungen Düsseldorf – Verona / – Livorno an. Komplett gestrichen wird die Nachtzugverbindung Köln–Warschau.

Mit einem offenen Brief appellierte der ökologische Verkehrsclub VCD an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass der gut nachgefragte Nachtzugverkehr erhalten bleibt. Diese Forderung des VCD besteht weiterhin. Jetzt ist die Politik am Zug, besonders die attraktive Verbindung wieder herzustellen.

VCD-Forderungen zum Nachtzugverkehr in Deutschland

  • Stabile Trassenpreise sind für die Eisenbahnunternehmen, die ihr Angebot Jahre in die Zukunft planen müssen, unabdingbar. Das gilt explizit auch für den Nachtzugverkehr, damit sich Investitionen lohnen. Der Bund ist am Zug, durch eine Halbierung der Trassenpreise attraktive Voraussetzungen für Eisenbahnunternehmen zu schaffen.
  • In Deutschland wird ein Nachtzugverkehr mit Schlaf- und Liegewagen sowie ergänzend mit Sitzwagen, mindestens auf den weiteren Relationen Hamburg – Ruhrgebiet – Basel, Berlin – Ruhrgebiet – Köln, Hamburg – Hannover – Basel, Berlin – Erfurt – Basel, Berlin – München sowie Hamburg – München benötigt.
  • Der VCD fordert die Politik auf, sich bei der EU für kostengünstige und verlässliche Zugangsmöglichkeiten auch zum französischen, belgischen und dänischen Eisenbahnnetz für Nachtzüge einzusetzen.

VCD zum mittelfristigen Nachtzugangebot in Europa

  • Das Nachtzugangebot in Deutschland und Europa darf nicht weiter ausgedünnt werden, im Gegenteil. Notwendig ist der Ausbau eines europaweiten Nachtzugnetzes als Alternative zu den Billigfliegern. Speziell auf mittleren Distanzen im grenzüberschreitenden Verkehr können Fahrten vom Flugzeug auf die Schiene verlagert werden. Die in Nachtzügen mögliche Fahrradmitnahme ist ein weiteres Argument für den Erhalt und den Ausbau dieses Angebotes auf der Schiene.
  • Der Nachtzugverkehr sollte in Europa länderübergreifend organisiert werden. Die beteiligten Staaten müssen gegenseitig gewährleisten, dass Zugangsbarrieren abgebaut werden, so wie es auf europäischer Ebene in den Eisenbahnpaketen bereits beschlossen wurde.
  • Zukünftigen Nachtzugbetreibern muss langfristige Planungssicherheit speziell bezüglich der Trassenpreise gegeben werden, damit sich Investitionen, insbesondere in das Zugmaterial, für sie lohnen.
  • Für den Nachtzugverkehr müssen günstige Infrastrukturentgelte gewährleistet werden, das betrifft insbesondere die Trassenpreise.
  • Nachtzugrelevante Zeitfenster (Slots) an wichtigen Start- und Endpunkten des Nachtzugverkehrs sind langfristig sicherzustellen.
  • Günstige Infrastrukturentgelte und sichere Zeitfenster bekommen nur die Unternehmen, die sich im Gegenzug verpflichten, ein Mindestmaß an Fahrtenangeboten, Qualität und Kapazitäten bereit zu stellen.
  • Für ein europäisches Hochgeschwindigkeits-Nachtzugnetz zur Überbrückung von bis zu 2.000 km im Nachtsprung ist zu prüfen, ob Nachtzüge die Hochgeschwindigkeitsstrecken befahren können.

Philipp Kosok

Referent für Verkehrspolitik, Bahn/Öffentlicher Verkehr; Projektleitung »Multimodal unterwegs«
beim VCD
Fon 030/28 03 51-36
philipp.kosok@vcd.org