Elektromobilität

Hype oder Heilsbringer?

Elektromobilität wird oft gleichgesetzt mit E-Autos. Doch das greift zu kurz. Denn die Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs sind in Deutschland zu zwei Dritteln elektrisch unterwegs und über zwei Millionen Elektro-Fahrräder sind längst in unserem Alltag angekommen.

Elektroauto: Das neue Mobilitätskonzept?

Elektroauto in der Stadt
Quelle: Robert Lehmann/ubitricity.comhttps://www.ubitricity.com/

Nach wie vor verfolgt die Bundesregierung das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen – 30 Mal so viele wie heute! Doch die bisherigen Verkaufszahlen sind mehr als ernüchternd: Anfang 2016 waren 25.502 batterieelektrische Pkw und 10.819 Plug-In Hybride in Deutschland zugelassen.

Elektrofahrzeuge können dazu beitragen, die langfristigen Klimaziele zu erreichen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Viele Menschen sind prinzipiell bereit, auf ein Elektroauto umzusteigen - jedoch nur dann, wenn das Auto wie gewohnt funktioniert und auch der Preis stimmt. E-Autos werden auch in den nächsten Jahren deutlich mehr kosten als vergleichbare Benziner. Auch die Batterien werden trotz technischen Fortschritts teuer bleiben.

Allerdings kostet der Strom für 100 Kilometer mit drei bis fünf Euro vergleichsweise wenig. Aber solange Benzin und Diesel so günstig sind wie heute und Privilegien genießen, wird sich das E-Auto nicht durchsetzen. Daran ändert auch eine Kaufprämie wenig.

VCD Service

Faktencheck E-Auto-Kaufprämie

Für Elektroautos, die ab dem 18. Mai 2016 erstmals zugelassen wurden, gibt es eine Kaufprämie - den so genannten Umweltbonus. Jetzt stellt sich die Frage: Für wen lohnt sich ein Elektroauto und was muss bei der Kaufentscheidung beachtet werden.

Wir haben die Kaufprämie im Detail analysiert und beantworten die wichtigsten Fragen.

VCD-Faktencheck E-Auto-Kaufprämie (pdf, 217 KB)

Der VCD hat die Diskussion um die E-Auto-Kaufprämie im Vorfeld kritisch begleitet. Wir haben dazu Voraussetzungen formuliert, die gelten müssen, damit die Förderung von E-Autos erfolgreich wird. Sie machen deutlich, dass es der Bundesregierung an einem umfassenden Blick auf die Elektromobilität fehlt. 

VCD-Kommentar zur Kaufprämie für Elektroautos

Die Zukunft des Elektroautos

Im künftigen Mobilitätsmix spielen E-Autos vor allem dann eine Rolle, wenn sie effizient sind, komplett mit erneuerbaren Strom fahren und intelligent genutzt werden. Vorteile ergeben sich vor allem in Fahrzeugflotten und für Pendler.

Im Rahmen eines neuen Mobilitätskonzeptes sieht der VCD die Zukunft des Elektroautos in den nächsten Jahren in Carsharing-Flotten: So ist das Fahrzeug optimal ausgelastet und seine heute noch hohen Anschaffungskosten sind relativiert.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD

Kürzere Wege legt man dann zu Fuß oder mit dem Rad zurück, es gibt einen entwickelten öffentlichen Personennahverkehr, weitere Strecken werden mit der Bahn zurückgelegt. An Bahnhöfen und anderen Knotenpunkten gibt es Leihstationen für (Elektro-)Fahrräder, Elektroautos und energieeffiziente Hybridautos. Insgesamt sind viel weniger Pkw zugelassen als heute — aber das einzelne Auto ist viel öfter unterwegs als heute und dadurch effizienter.

Für alle elektromobilen Fahrzeuge, egal ob mit zwei, drei, vier oder mehr Rädern, sieht der VCD nur dann eine Zukunft, wenn der genutzte Strom regenerativ erzeugt wird. Unter der Voraussetzung, dass der Strom aus zusätzlicher erneuerbarer Energie gewonnen wird, sind Elektromotoren effizient und verursachen wenig Schadstoffe.

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E-Räder — Perspektivwechsel notwendig

Elektrofahrrad
Quelle: vzbv/Gloger

Aus Sicht des VCD wird individuelle Elektromobilität im politischen und medialen Diskurs zu oft mit dem Elektroauto gleichgesetzt. Sie ist jedoch mehr als das. Auf der Straße fahren bereits heute jeden Tag hunderttausende E-Räder. Sie ersetzen Autowege und erhöhen den Mobilitäts-Radius im Alltag im Vergleich zu klassischen Fahrrädern. Mit elektrisch unterstützten Lastenrädern können in der Stadt neben privatem Großeinkauf sogar viele Wege im Wirtschaftsverkehr erledigt werden.

Worauf man beim Kauf eines Elektrofahrrades achten sollte und wie man das richtige E-Rad findet, zeigt das Portal www.e-radkaufen.de vom VCD.

Das Infoportal »Lasten auf die Räder!« stellt erfolgreiche Einsätze von Lastenrädern vor und bietet Unternehmen eine Marktübersicht sowie Informationen rund um Beschaffung und Betrieb. Kommunen erhalten Tipps, wie der Einsatz von Lastenrädern gefördert werden kann.

Damit der Radverkehr weiter wachsen kann, fordert der VCD aber auch ganz klar, mehr Engagement und Unterstützung von Bund und Kommunen.

Insgesamt sind derzeit über eine Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig mit einem E-Rad unterwegs – von Politik und Wirtschaft bedauerlicherweise größtenteils unbemerkt. Das muss sich ändern!

Sabine Stanelle, VCD-Projektleiterin »Mehr Platz fürs Rad!«

Forderungskatalog E-Rad-Infrastruktur

Während der Radverkehrsanteil vielerorts wächst, kann die Radverkehrsinfrastruktur oft nicht Schritt halten:

  • Flächen für den Radverkehr, wie Radfahrstreifen und Radwege haben zu geringe Kapazitäten.
  • Geeignete Abstellanlagen am Wohn-, Ziel- oder auch Umsteigeort sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden.

Es braucht mehr Flächen für einen sicheren Radverkehr und eine Infrastruktur, die auch Personengruppen motiviert, die bislang noch nicht auf das Fahrrad gestiegen sind.

Der bereits bestehende Problemdruck wird sich aufgrund der zunehmenden Nutzung von Elektro- und Lastenrädern sowie Fahrradanhängern verschärfen, da sie höhere Anforderungen an die Radverkehrsinfrastruktur stellen. Dafür braucht es Lösungen.

Denn: Elektrofahrräder und -lastenräder bieten vielfältige Potentiale. Sie bieten die Chance, neue Räume zu erschließen, das betriebliche und kommunale Mobilitätsmanagement zu verändern und den (innerstädtischen) Wirtschafts- und Logistikverkehr nachhaltig zu gestalten. Privathaushalten erleichtern sie den Alltag ohne Auto, Pendlerinnen und Pendlern bieten sie eine kostengünstige und klimaschonende Alternative zur Autofahrt, so dass ihnen insgesamt ein größeres Einsatzgebiet zugesprochen werden kann, als »konventionellen« Fahrrädern.

Der VCD fordert für die E-Rad-Infrastruktur:

1. Radverkehrsflächen

  • Konsequente Umsetzung von Qualitätsanforderungen und Standard-Planungsvorgaben der geltenden Regelwerke sowohl beim Neubau als auch bei der Nachrüstung bestehender Radverkehrsanlagen. Von Minimallösungen ist abzusehen. Das heißt, u.a. ausreichend breite Fahrradwege, weite Kurvenradien, rutschfeste Beläge, ausgewiesene und überprüfte, direkte Radwegeverbindungen sowie eindeutige und sichere Ampelschaltungen.
  • Untersuchung, ob wachsende Vielfalt an Fahrradtypen eine Anpassung der ERA 2010 (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) erforderlich macht.
  • Überprüfung und ggf. Aufhebung von bestehenden Zufahrtsverboten für Fahrräder/Lastenräder in Fußgängerzonen, zumindest als Lieferverkehre.
  • Systematische Schaffung eines Radverkehrsnetzes sowie einer Radverkehrsinfrastruktur auch außerhalb geschlossener Ortschaften.

Damit die Fahrradnutzung auch über längere Distanzen attraktiv ist und E-Räder ihr volles Potenzial ausspielen können, sind außerdem Radschnellwege ein wichtiges Element, um z.B. eine Entlastung von Bundestraßen in Ballungsräumen zu erreichen und Pendlerinnen und Pendler aufs Rad zu bringen.

2. Abstellanlagen

  • Schaffung von flächendeckenden, sicheren Fahrradabstellanlagen, insbesondere am Arbeits- und Ausbildungsplatz, an Bahnhöfen und sonstigen Umsteigepunkten, an Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen sowie in Wohngebieten.
  • Abstellanlagen mit Möglichkeit zum Aufladen der Akkus von E-Rädern sowie mit Anschließmöglichkeiten für Lastenräder.

3. Steuerliche Anreize

  • Eine Kaufprämie von 500 Euro / max. 25% der Anschaffungskosten bei der Neuanschaffung eines E-Bikes.
  • Eine Kaufprämie von 1.000 Euro / max. 25% der Anschaffungskosten bei der Neuanschaffung eines E-Lastenrades.

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Bahn & öffentlicher Verkehr — Elektromobilität heute schon gelebt!

Im Gegensatz zum Auto sind im öffentlichen Verkehr bereits heute schon jeden Tag Millionen von Menschen elektrisch unterwegs. Vor allem in Städten sind elektrisch betriebene Straßen- und U-Bahnen seit Jahrzehnten im Einsatz, hinzu kommt der Schienenpersonen- und Schienengüterverkehr, der heute mehrheitlich elektrisch geleistet wird. Dies muss sich nach Meinung des VCD auch in einer entsprechenden politischen Wertschätzung und Unterstützung widerspiegeln.

Ein Gesetzesvorschlag, der Elektroautos die Nutzung von Busspuren einräumt und so den ÖPNV ausbremst ist genau das Gegenteil. Vielmehr muss dem ÖPNV auch zukünftig konsequenter Vorrang im Straßenverkehr eingeräumt werden. Auf seiner Bundesdelegiertenversammlung 2014 hat der VCD mit großer Mehrheit die Resolution „Elektromobilität für alle!" beschlossen. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert ein Elektromobilitätsgesetz zu verabschieden, welches sich nicht nur auf E-Autos fokussiert, sondern auch den Öffentlichen Verkehr berücksichtigt.

Wer elektromobilen, umweltverträglichen Verkehr will, muss in die Schiene investieren.

Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender

Ein Großteil der Züge fährt elektrisch unter Oberleitungen. Doch es gibt noch immer viele Bahnstrecken, auch mit überregionaler Bedeutung, die nicht elektrifiziert sind. Hier wird mit Diesel gefahren. Angesichts der Anforderungen des Klimaschutzes an den Verkehr müssen auch die Eisenbahnen weiter dekarbonisiert werden.

Das System Schiene ist besser als jeder andere Verkehrsträger geeignet, effizient elektrisch zu fahren. Und häufig fehlt es an nur wenigen Kilometern Oberleitung, um einen durchgängigen elektrischen Antrieb für viele Verkehre zu ermöglichen.

Eine vollständige Elektrifizierung des Bahnnetzes - inklusiver aller Nebengleise – ist allerdings auf absehbare Zeit nicht finanzierbar. Da Traktionswechsel, also. Wechsel der Lok bzw. des Triebfahrzeugs, einen erheblichen Aufwand bedeuten und damit eine Störung in der Reisekette darstellen. Alternative Antriebssysteme müssen zum Erreichen der Dekarbonisierung eingeführt werden.

Wo eine Energieversorgung über Oberleitung nicht möglich ist, müssen die Antriebs-Fahrzeuge eine zweite Energieversorgung bekommen. Dies können Hybrid-Systeme mit Batterien sein, die unter Fahrdraht geladen werden oder auch Verbrennungsmotoren mit nachhaltig erzeugten Kraftstoffen, wie z.B. Erdgas. Auch ein Wasserstoffantrieb wäre denkbar, sofern die Sicherheit hundertprozentig gewährleistet werden kann.

Um eine vollständige Verlagerung des langlaufenden Güterverkehrs auf die Schiene zu ermöglichen, müssen darüber hinaus auf der letzten Meile, vom Gleis zum Kunden, mehr leistungsfähige KV-Terminals (Terminals für den kombinierten Ladungsverkehr) geschaffen werden, die einen effizienten Verkehrsträgerwechsel ermöglichen .

Der VCD fordert für die Elektromobilität im Bereich Schiene:

1. Förderung und Ausbau des Öffentlichen Verkehrs

Details dazu lesen Sie in der Resolution "Elektromobilität für alle!".

2. Die weitere Elektrifizierung von Bahnstrecken, nicht nur von Bahn-Hauptstrecken

– und über die aktuellen Planungen im Bundesverkehrswegeplan hinaus – vor allem um den Dieselantrieb unter Fahrdraht weiter reduzieren zu können.

3. Eine Mittelerhöhung zur Ermöglichung von Forschungsprogrammen für Hybrid-Antriebe

und alternative Energieversorgung im Bahnbereich sowie eine Kaufprämie für bereits bestehende und zugelassene Mehr-Antriebssysteme.

4. Abbau von Wettbewerbsverzerrungen zwischen Straße und Schiene

Es bedarf endlich der Gleichbehandlung! Das heißt: gleiche Steuersätze z.B. bei der Stromsteuer oder EEG-Umlage.

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Gerd Lottsiepen

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-11
gerd.lottsiepen@vcd.org

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