Wehende blaue Fahne auf der steht „Verkehrswende Jetzt!“
VCD/Frieder Unselt

VCD Definition Verkehrswende

Verkehrswende oder Mobilitätswende – was ist der Unterschied?

Wir erklären die Begriffe Verkehrswende, Mobilitätswende und Antriebswende, wie sie zusammenhängen und welche Maßnahmen es braucht, um die Wende(n) zu schaffen.

| Klimafreundliche Mobilität

Die Folgen der derzeitigen Verkehrspolitik sind für uns alle jeden Tag spürbar. Der Verkehr verursacht Lärm, Luftverschmutzung, Staus, Unfälle, Verkehrstote, Stress und Enge in den Städten und heizt das Klima weiter auf. Der Verkehr ist inzwischen für rund ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich, über 90 Prozent davon kommen aus dem Straßenverkehr. Im Gegensatz zu den anderen Sektoren sind die Emissionen des Verkehrs seit 1990 praktisch nicht gesunken. Dies macht deutlich: Wir brauchen dringend einen Richtungswechsel in der Verkehrspolitik und einen Wandel der Art und Weise, wie wir uns fortbewegen.

Unsere Vision

Unsere Vision ist eine Mobilität, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt, die Umwelt schont, sicher und sozial gerecht ist. Der Verkehr ist emissionsfrei, sowohl von CO2 als auch Abgasen und Lärm, kein Mensch verliert im Straßenverkehr sein Leben und alle können gleichberechtigt, selbstständig, sicher und komfortabel unterwegs sein.  Dafür braucht es eine ökologische Verkehrswende.

Was ist die Verkehrswende?

Die Verkehrswende soll zu einem grundlegenden Umbau des Verkehrssystems und einem Umstieg der Gesellschaft auf umweltfreundliche Mobilität führen. Vorbild ist die Energiewende, also der systematische Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energieträger.

Die Grundidee der Verkehrswende ist der Dreiklang aus vermeiden, verlagern, verbessern. Sowohl Personen- als auch Güterverkehr soll soweit wie möglich vermieden, der nicht vermeidbare Verkehr auf umweltschonendere Verkehrsmittel verlagert und zuletzt durch eine bessere Organisation und neue Technologien verbessert werden.

Der Begriff der Verkehrswende ist so alt wie der VCD. Ende der 1980er Jahre gab es zunehmend Kritik an der Vorherrschaft des Automobils und der sozialen und ökologischen Konsequenzen. Auch der VCD wurde 1986 aus dem Widerstand gegen große Autobahnprojekte und für die Entwicklung von alternativen Verkehrskonzepten für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität gegründet. Zur selben Zeit tauchte auch der Begriff der Verkehrswende erstmals auf.1

Mobilitätswende als Teil der Verkehrswende

Verkehr ist nicht nur die Bewegung von A nach B, sondern ein komplexes System, in dem neben der Infrastruktur und den Verkehrsträgern auch Gesetze, soziale Praktiken, gesellschaftliche Wertvorstellungen und nicht zuletzt persönliche Gewohnheiten und Emotionen eine Rolle spielen. Um dieses System zu verändern, brauchen wir einen tiefgreifenden Wandel auf all diesen Ebenen.

Zur Verkehrswende gehört auf der einen Seite die Mobilitätswende. Sie adressiert vor allem das Vermeiden und Verlagern des Verkehrs. Vermeiden lässt sich vor allem erzwungener Verkehr, zum Beispiel durch kürzere Wege in kompakteren Städten, Homeoffice für Fernpendler*innen und eine Stärkung der lokalen Versorgung auch in ländlichen Regionen.

Reduziert werden muss in erster Linie der motorisierte Individualverkehr (MIV). Denn zu viele Pkw verursachen Emissionen von Treibhausgasen, Luftschadstoffen und Lärm, sind überwiegend beteiligt an Unfällen und Staus und benötigen zu viel Platz. Die letzten Punkte gelten auch für Elektroautos, deshalb müssen wir den Individualverkehr insgesamt reduzieren. Stattdessen ist der Umweltverbund aus Fuß- Rad- und öffentlichem Verkehr  zu stärken und auszubauen, sodass es für die Menschen attraktiv ist, vom eigenen Auto darauf umzusteigen. Dafür braucht es bessere finanzielle Ausstattung und eine faire Verteilung des Straßenraums.

Der Güterverkehr muss ebenfalls verlagert und verbessert werden. Wo immer es geht, sollte er auf der Schiene stattfinden. Dafür brauchen wir ein gut elektrifiziertes Bahnnetz, das mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird. Auf Strecken, wo z.B. wenige Kilometer noch nicht elektrifiziert sind, können E-Loks mit Akku eingesetzt werden. Aber auch der Straßengüterverkehr muss klimaneutral, aus dem Verbrennungsmotor austeigen und elektrifiziert werden.

Voraussetzung für die Mobilitätswende ist dabei auch ein Wandel der Einstellung zum eigenen Auto, das häufig noch als Symbol für Unabhängigkeit und Freiheit empfunden wird, obwohl es diesem vermeintlichen Versprechen angesichts der Zeitverluste durch Staus und Parkplatzsuche meist ohnehin nicht gerecht wird und die Freiheit nur die eigene meint, nicht aber die Freiheit der Gesellschaft von Luftverschmutzung, Klimawandel und Unfallrisiken.

Die Mobilitätswende führt nicht zu weniger Mobilität, sondern zu weniger Verkehr und einer anderen Qualität von Mobilität.

Antriebswende braucht Energiewende

Um den Verkehr klimaneutral zu gestalten braucht es neben der Mobilitätswende auch eine Antriebswende, das heißt den Ersatz von fossilen Treibstoffen durch klimaneutrale Antriebsarten wie Elektromobilität. Ziel ist es, die Emissionen von CO2, Luftschadstoffen und Lärm während des Fahrbetriebs zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden. Die Antriebswende ist zum einen nötig, da auch in Zukunft nicht komplett auf individuellen Verkehr verzichtet werden kann und wird, und zum anderen auch Busse, gemeinschaftlich genutzte Autos und Lkw klimaverträglich angetrieben werden müssen, um Klimaneutralität im Verkehr zu erreichen. Voraussetzung dafür ist zudem die konsequente und schnelle Umsetzung der Energiewende, damit der zusätzlich benötigte Strom im Verkehr aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden kann.

Politische Rahmenbedingungen

Die Verkehrswende ist ein Prozess, den wir jetzt anstoßen müssen, damit wir den Verkehr und unsere Mobilität nachhaltig und zukunftsfähig aufstellen können. Damit dies geschehen kann, muss die Politik die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Was wir dafür brauchen, haben wir in unseren sechs Kernforderungen zusammengefasst.   

Für eine zügige Umsetzung der Verkehrswende braucht es außerdem eine Ausrichtung der Verkehrspolitik an klima- und gesellschaftspolitischen Zielen und einen integrierten, übergeordneten Rechtsrahmen, der diese Ziele verkehrsträgerübergreifend auf Bundesebene festlegt: das Bundesmobilitätsgesetz.


[1] Markus Hesse (2018): 25 Jahre Verkehrswende: Ein Rückblick auf die Zukunft. Ökologisches Wirtschaften 2/2018 (33). https://www.oekologisches-wirtschaften.de/index.php/oew/article/view/1607/1569

zurück